Slabbing – ein amerikanisches Bewertungssystem fasst Fuß in Europa

29.08.2019 13:48

Slabbing – ein amerikanisches Bewertungssystem fasst Fuß in Europa

Wem der Begriff „slab“ vielleicht noch fremd ist, wird jedoch das Objekt, in dem es in diesem Artikel geht, in der ein oder anderen Münzauktion oder bei Händlern bereits gesehen haben.
Die Rede ist von den kleinen, rechteckigen, mit Barcode versehenen Hartplastikhüllen, in denen namhafte amerikanische Bewertungsfirmen wie NGC oder PCGS die Münzen ihrer Kunden einschweißen bzw. „verkapseln“.

Wie es funktioniert: Man sendet eine oder mehrere Münzen zur Bewertung an den Firmensitz des jeweiligen Unternehmens und lässt für den Preis ab ca. € 30,00 pro Slab sein erstandenes Objekt überprüfen und zertifizieren. Nach der Expertise wird die Münze in besagtes Hartplastikrähmchen, den sogenannten „Slab“ gelegt und versiegelt. Das Rähmchen wird zudem mit einem Barcode versehen über welchen im Internet nähere Daten zur Münze aufgerufen werden können und der zukünftige Besitzer somit auch sicher sein kann, dass die Echtheit seiner Münze bereits von einer Jury von Münzexperten bestätigt wurde.

So weit, so gut.

Dass die verkapselten Stücke jedoch nicht mehr haptisch zugänglich sind und der Rand der Münze aufgrund des „Holders“ kaum mehr sichtbar ist, d.h. eventuell vorhandene Randfehler somit kaum ersichtlich sind, scheint die Sammler nur wenig zu stören: zu groß ist die Furcht vor China-Plagiaten seltener Münzen oder potenziell betrügerischen Händlern.
Gern legt man sein Vertrauen lieber in die Expertise einer großen Firma in Übersee, als in die Kompetenz des örtlichen Münzhändlers und lehnt es somit völlig ab, Verantwortung für den getätigten Kauf zu übernehmen oder selbst ein Gefühl für Echtheit und Erhaltung zu entwickeln.
Dass das Bestimmen einer Münze allerdings eine zum Teil relativ subjektive Angelegenheit sein kann und sich die Wege diesbezüglich oft scheiden, scheint ebenfalls eher sekundär zu sein.

Jedoch profitieren nicht nur Sammler von diesen Plastikrähmchen. Immer mehr Händler lassen Ihre Stücke einslabben, um die Preise Ihrer Münzen in die Höhe treiben zu können. So kommt es vor, dass eine nicht versiegelte Münze lediglich die Hälfte oder gar nur ein Drittel des Preises erreicht im Vergleich zu einer versiegelten. 
Ironischer weise gilt dies zum Teil auch für Münzen, die aus ihrer von der Landesmünzprägeanstalt offiziell ausgegebenen Verpackung genommen und stattdessen im Slab verewigt werden.


Allgemein hat sich das Sammelverhalten im Bereich der Numismatik - speziell in den letzten Jahren -stark verändert. Früher trafen Händler und Sammler zusammen, tauschten Ihr fachliches Wissen aus und nahmen Münzen in die Hand, um nicht nur durch den Sehsinn, sondern auch durch das Ertasten der Oberfläche eines Stückes genaueres über das Vorleben der Münze zu erfahren.

Im modernen Zeitalter ist jedoch kaum mehr Platz für die altmodische Numismatik; der persönliche Kontakt geht immer mehr verloren und die Abwicklung von Geschäften wird vermehrt anonym im Internet vollzogen. Doch eben dieser Online-Handel, in dem es zunehmend zu Betrügereien, - einerseits verursacht durch die Unwissenheit der Käufer, andererseits durch immer mehr perfid gefälschter Objekte kommt - macht es Firmen wie NGC oder PCGS möglich, auch am europäischen Markt Fuß zu fassen. Denn: das Siegel bzw. der sogenannte „Slab“ hat sich weltweit bereits als Symbol der Authentizität und Echtheitsgarantie durchgesetzt.