Herrschaft mit Hindernissen – Russland unter Zar Nikolai II.

24.06.2020 13:16


Nikolai II. (1894 - 1917)
Rubel 1896 AG
Avers: nach links gerichtetes Portrait des Zaren
Revers: Doppelkopfadler




Nikolai II. (1894 - 1917)
10 Rubel 1903 AG
Avers + Revers laut Rubel





1/2 Kopeke 1899 CMB (St.Petersburg)
Avers: Jahr, Nominale, Prägestätte
Revers: Emblem des Zaren


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Herrschaft mit Hindernissen – Russland unter Zar Nikolai II.

Wir reisen zurück in das Russland im Jahr 1894. Zar Alexander III. war gerade an den Folgen eines Nierenleidens verstorben, sein ältester Sohn Nikolai krönt sich und seine aus Deutschland stammende Frau Alexandra zu den neuen Herrschern des russischen Reichs.

Doch schon an Anfang scheint die Regentschaft unter einem schlechten Stern zu stehen.

Wie schon sein Vater zuvor gelobte Nikolai II. autokratisch über das Land zu herrschen. Eine von vielen Fehlentscheidungen, die den Romanows den Thron und letztendlich auch das Leben kostete.
Ganz Europa befand sich bereits im Aufbruch und dem Volk wurde immer mehr Mitspracherecht in Sachen Politik zugestanden. Um zu verhindern, dass sein Führungsstil untergraben wurde, ließ er u.A. die 1902 gegründete Arbeiterpartei (SDARP) durch die Geheimpolizei verfolgen.

Anlässlich der Krönungsfeiern, die 1896 auf einem Truppenübungsplatz in Moskau stattfinden, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall. Hunderttausende Menschen aus dem ganzen Land erscheinen, um an den Feierlichkeiten Teil zu haben.  Bei den Ausgabeständen von Geschenken kommt es zu einer Massenpanik – über 1300 Menschen verlieren ihr Leben, viele werden verletzt.

Obwohl der Zar den Hinterbliebenen 1000 Rubel pro Familie aus seinem Privatvermögen zusichert und die Begräbniskosten übernimmt, ist es ihm nicht mehr möglich, das Volk auf seine Seite zu ziehen. Viel zu empört ist man auch darüber, dass er noch am Abend der Tragödie dem Ball der französischen Gesandtschaft beiwohnt, was den bleibenden Eindruck hinterlässt, er kümmere sich nicht um Sein Volk.

Auch der fehlende politische Weitblick des Herrschers führt dazu, dass sich selbst überzeugte Monarchisten immer mehr von ihm abwenden und die Kompetenz des Zaren immer mehr infrage gestellt wird.

Nach der militärischen Niederlage in Ostasien und einer weiteren, katastrophalen Niederlage bei Tannenberg, die u.A. auf das schlecht ausgebildete und versorgte Heer zurück zu führen ist, beschließt Nikolai II. sich selbst an die Front zu begeben und das Hauptkommando zu übernehmen.
Seine Frau Alexandra, die in Petersburg geblieben war, übernimmt währenddessen die Regierungsgeschäfte, für welche sie jedoch wenig Begabung aufweist.

Aufgrund der militärischen Misserfolge, der hohen Verlustzahlen als auch der durch den Krieg verursachten Hungersnot, kommt es im Jahr 1917 zu fast täglich stattfindenden Streiks, Massenprotesten und Demonstrationen. Die Moral der Polizei und des Militärs ist geschwächt und so kommt es zu Meutereien und Überläufen.
Der Druck der immer lauter werdenden Revolution zwingt Nikolai II. schließlich dazu abzudanken.

Er und seine Familie werden vorerst im Alexanderpalast unter Hausarrest gestellt, dann in den Ural gebracht und schließlich nach Jekaterinenburg in die Villa Ipatjew, wo die Familie in der Nacht zum 17. Juli 1918 von den Bolschewiki ermordet wird.

Mit dem Tod Nikolai II. war die über Jahrhunderte dauernde Herrschaft der Romanows schließlich zu Ende gegangen.