Das ungarische Krönungszeremoniell

11.01.2019 17:31 | Franz Joseph I.

Inspiriert von zwei interessanten Medaillen, welche ich heute unter anderem bearbeitet habe (sprich: zu den Stücken recherchiert und Preise festgelegt)  habe ich mich heute für ein ganz besonderes Thema entschieden: das ungarische Krönungszeremoniell

Wie eine solche Krönungszeremonie abgehalten wurde, die genauen Bestandteile einer solchen Zeremonie und was es mit dem Ritt auf dem Pferd, bei dem das Schwert erhoben wird zu tun hat, möchte ich nun in ein paar Worten niederschreiben.

Die Krönung fand nach jahrhundertalter Tradition in der Matthiaskirche in Buda*, unter der Anwesenheit aller geistlichen und weltlichen Würdenträger, statt. Dem mit Reichsapfel (linke Hand) und Zepter (rechte Hand) knienden Herrscher wurde gemeinsam von Palatin und Erzbischof die berühmte „Stephanskrone“ auf das Haupt gesetzt.Es erfolgte der dreifache Ausruf „Eljen a kirlay!“ (Lang lebe der König!)  welcher von all den anwesenden Würdenträgern wiederholt wurde.
Erst nach der Krönung des Königs wurde die Salbung und Krönung der Königin vorgenommen; die Stephanskrone berührte hierbei jedoch lediglich die rechte Schulter der Königin. Dieses Ritual stand symbolisch für die Königin als Unterstützung des Königs welchem sie helfen sollte, die gemeinsame Last der königlichen Pflichten zu tragen. Für die eigentliche Krönung der Königin wurde eine eigens von den Habsburgern gefertigte Krone verwendet.

Nach den Feierlichkeiten im Dom, welche mehrere Stunden in Anspruch nehmen konnten, erfolgte der Ritt des Herrschers auf den Pfarrplatz in Pest wo dieser auf einen, mit Erde von allen ungarischen Komitaten aufgeschütteten, Krönungshügel ritt und den Eid auf die ungarische Verfassung ablegte.
Hierbei erhob der König sein Schwert und strich in alle vier Himmelsrichtungen. Er schwor somit, das Land vor seinen Feinden – aus welcher Richtung diese auch kommen mögen – zu schützen.

Die Feierlichkeiten endeten bei einem Krönungsmal in der Königsburg in Buda.


*unter Franz Joseph I. und Karl I.; die Krönungen früherer Herrscher fanden in unterschiedlichen Städten Ungarns statt.




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Abb. 1: Krönung Franz Joseph I.
Avers: Franz Joseph nach links mit Schwert und Reichsapfel zwischen zwei weiblichen Figuren stehend, empfängt die Stephanskrone
Linke Figur: mit der linken Hand auf die Krone deutend, rechts hält sie eine Schriftrolle (Treueeid?)
Rechte figur: mit rechter Hand setzt sie Franz Joseph die Krone aufs Haupt, in der linken hand hält sie das ungarische Wappen

Revers: das Portrait Graf Andrassy umrahmt von sieben weiteren Portraits ungarischer Würdenträger

Künstler: A. Kleeberg




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Abb. 2: Krönung Karl I. in Budapest
Avers: Kaiser Karl I. nach links auf einem Pferd sitzend; das Schwert in der rechten Hand zum Treueschwur erhoben, im Vordergrund 5 Personen
Revers: Eidesleistung als König von Ungarn an der Dreifaltigkeitssäule vor der Matthiaskirche (Budapest, 30. Dezember 1916)